Entscheidungsmüdigkeit I: Wann ist die beste Zeit für wichtige Gespräche?

Manche Geschäfte sind von vornherein zum Scheitern verurteilt: falsche Zeit und vielleicht auch falscher Ort. Verhaltensforscher haben den optimalen Zeitpunkt für entscheidende Termine gefunden, der erhöhte Erfolgschancen bescheinigen soll.

Den richtigen Zeitpunkt für einen wichtigen Gesprächstermin festzulegen, ist gar nicht so einfach. Die involvierten Parteien müssen schließlich gleichzeitig verfügbar sein. Wenn der Termin auch noch zu einer Entscheidung führen soll, wird es sogar noch schwieriger. Denn nicht nur Argumente spielen eine wichtige Rolle. Die Tageszeit, an der die Unterhaltung geführt wird, ist möglicherweise sogar noch wichtiger.

Müssen Personen eine Reihe verschiedener Entscheidungen an einem Tag treffen, werden sie nach einer Weile müde. Die Wissenschaft spricht hier von Decision Fatigue – Entscheidungsmüdigkeit. Dies betrifft vor allem Menschen, die täglich zwischen verschiedenen Optionen wählen müssen, etwa Personalverantwortliche.

Fehlurteile gegen Ende des Arbeitstages

Als Beispiel für diese Form von kognitiver Verzerrung wird gerne eine Studie zu Richtern herangezogen, deren Urteile zunehmend zu Ungunsten der Angeklagten ausfielen je weiter der Tag fortgeschritten war. Dabei sollte in einem juristischen Umfeld Objektivität und Klarheit zu erwarten sein.

Entscheidungsmüdigkeit kann dazu führen, dass letztendlich in wichtigen Momenten die falschen Entscheidungen getroffen werden – sei es bei Finanzbeschlüssen oder Stellenbesetzungen. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt findet im Laufe der Zeit immer weniger statt. Das führt natürlich zu einem Dilemma, denn später wird vorausgesetzt, dass der getroffene Beschluss auf der Abwägung verschiedener Faktoren beruht. Eine Fehlentscheidung wird deshalb als mangelnde Kompetenz des Entscheidungsträgers wahrgenommen.

Die richtige Zeit für wichtige Termine

Vorstellungsgespräche oder Geschäftsverhandlungen sollten Wissenschaftlern zufolge nach Möglichkeit nicht zu spät am Tag angesetzt werden. Zu früh sollten sie allerdings auch nicht stattfinden. Der erste Gesprächspartner setzt nämlich einen Maßstab, der auch übertroffen werden kann. Also die „goldene Mitte“? Das wäre dann zur Mittagszeit. Leider auch nicht.

Als optimaler Zeitpunkt gilt die Zeitspanne von 10 bis 11.30 Uhr vormittags. Auch bei Wochentagen gibt es wissenschaftlich fundierte Präferenzen: Dienstag ist demnach der beste Tag, um wichtige Termine festzulegen. Allerdings sollte man eine Sache bei aller Liebe zur Verhaltensforschung nicht vergessen: die Vorbereitung. Wer nicht weiß, was er in dem bevorstehenden Gespräch sagen soll, wird definitiv zu keinem Erfolgserlebnis kommen.

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